Verbraucher fordern weniger Verpackungsmüll

Pressemitteilung von pwc – 11. Februar 2018

Verbraucher fordern weniger Verpackungsmüll

Drei Viertel der Supermarktkunden achten beim Einkauf darauf, Produkte mit so wenig Verpackung wie möglich zu kaufen / Plastik hat schlechten Ruf, Mehrweg beliebt / Verpackungsfreier Einkauf im Trend / Pfandsystem für Versandverpackungen stößt auf Interesse.

Der boomende Onlinehandel und der Trend zu immer kleineren Verpackungen und vorportionierten Produkten im Supermarkt lässt die Müllberge ansteigen und belastet die Umwelt. Die Verbraucher sind sich dieses Problems bewusst – und plädieren für weniger Verpackungsmüll: Drei Viertel der Supermarktkunden achten beim Einkauf darauf, Produkte mit so wenig Verpackung wie möglich zu kaufen. Fast jeder Dritte würde sogar auf ein Produkt verzichten, weil es zu viel oder nicht nachhaltig verpackt ist. Zu diesen Ergebnissen kommt eine repräsentative Befragung von 1.000 Verbrauchern im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC.

Seit Anfang 2018 gilt in China ein Importverbot für bestimmte Abfälle – der bislang wichtigste Abnehmer für deutschen Plastikabfall reduziert die Einfuhr drastisch. In Deutschland tritt 2019 ein neues Verpackungsgesetz in Kraft, das die Recyclingquoten für Verpackungen zum Teil deutlich erhöht.

„Diese Entwicklungen könnten zur Initialzündung werden, um weniger Verpackungsmüll zu produzieren sowie die Hersteller und Händler animieren, verstärkt auf nachhaltige Verpackungen umzustellen. Die Verbraucher würden dies begrüßen: Sie wünschen sich nachhaltige Verpackungen.“

Gerd Bovensiepen, Leiter des Geschäftsbereichs Handel und Konsumgüter bei PwC in Deutschland und EMEA
Das gilt zumindest, solange sich daraus keine Zusatzkosten für die Kunden ergeben: Neun von zehn Verbrauchern würden nachhaltige Verpackungen vor allem dann nutzen, wenn sie nicht mehr kosten. Immerhin ein knappes Viertel (23 Prozent) wäre bereit, mehr Geld für ein Produkt mit nachhaltiger Hülle auszugeben.

Genervt von der Verpackungsflut

Bei vielen Produkten würde weniger Verpackungsmaterial ausreichen – das sagen die Verbraucher einstimmig (94 Prozent). Besonders bei Drogerie- und Hygieneartikeln beschweren sich viele Konsumenten darüber, dass die Hersteller es mit dem Verpackungsmaterial übertreiben. Dabei haben die Kunden eine konkrete Vorstellung, wie die ideale Verpackung aussehen sollte: Die überwältigende Mehrheit (95 Prozent) spricht sich dafür aus, die Materialmenge auf ein Minimum zu reduzieren und auf Material zu setzen, das sich gut recyceln lässt. Einen weitgehenden Verzicht auf Plastik befürworten 92 Prozent der Befragten.

„Dass Plastik aus ökologischer Sicht problematisch ist, hat sich herumgesprochen. Aber auch bei der Herstellung von Papiertüten – der vermeintlich besseren Alternative – müssen Energie und Rohstoffe aufgewendet werden. Für Hersteller und Händler ist es deshalb wichtig, immer die Ökobilanz als Ganzes im Blick zu behalten“, kommentiert Hendrik Fink, Leiter Sustainability Services bei PwC.

Mehrweg: Wunsch nach eindeutiger Kennzeichnung

Günstiger für die Ökobilanz ist es, Verpackungen länger im Kreislauf zu behalten. Das Prinzip der Mehrwegverpackungen ist bei den Deutschen beliebt. Neun von zehn Verbrauchern begrüßen die Möglichkeit, Verpackungen mehrmals zu nutzen. Rund zwei Drittel geben an, dass sie bereits bevorzugt Produkte in Mehrwegverpackungen kaufen, etwa bei Getränken oder Joghurts.

Allerdings gibt es beim Thema Mehrweg auch kritische Stimmen: Rund vier von zehn Konsumenten (41 Prozent) beklagen, dass sie oftmals Probleme haben zu erkennen, ob sie eine Einweg- oder Mehrwegverpackung in den Händen halten. „Hier sind Hersteller und Händler aufgefordert, ihre Produkte eindeutig zu kennzeichnen. Für den Käufer muss auf den ersten Blick ersichtlich sein, ob es sich um eine Einweg- oder Mehrwegverpackung handelt“, so Hendrik Fink.

Trend zum verpackungsfreien Einkauf

Aufgeschlossen sind die deutschen Verbraucher auch für innovative Konzepte. Den Trend zum komplett verpackungsfreien Einkauf unterstützt die große Mehrheit der Verbraucher. Knapp neun von zehn Supermarktkunden wären bereit, auf Umverpackungen bei Lebensmitteln ganz zu verzichten. Immerhin zehn Prozent der Verbraucher haben bereits in einem komplett verpackungsfreien Supermarkt eingekauft oder tun dies sogar regelmäßig.

Auch in puncto Versandverpackungen sind die Verbraucher offen für Neues: Drei Viertel würden ein Mehrwegsystem für Versandverpackungen gutheißen. Sieben von zehn Befürwortern einer solchen Mehrweg-Versandverpackung wären sogar bereit, ein Pfand von durchschnittlich 2,49 Euro zu entrichten.

Hersteller und Händler in der Pflicht

Zur Frage, wer die Verantwortung dafür trägt, den Verpackungsmüll zu reduzieren, haben die Verbraucher eine klare Meinung: Als Hauptverantwortliche nennen sie die Hersteller (45 Prozent), gefolgt vom Handel (22 Prozent) und dem Gesetzgeber (18 Prozent).

„Die Akzeptanz der Verbraucher für innovative Verpackungsansätze ist hoch – ebenso die Erwartungshaltung an Hersteller und Händler. Unternehmen müssen also aktiv werden, um ihre Verpackungskonzepte im Sinne der Nachhaltigkeit umzustellen. Dabei sollten sie keinen Einzelaktionismus betreiben, sondern einen strategischen Ansatz verfolgen. Dazu gehört, die Produkte und Geschäftsmodelle immer wieder in Frage zu stellen und weiterzuentwickeln“, so das Fazit von Gerd Bovensiepen.

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